13
Jan
2006

Der Liebesbrief

„Ein Appell der etwas anderen Art: Für das Kunstprojekt "5000 Liebesbriefe" von Mats Staub und Barbara Pulli aus Zürich ersuchen die Wiener Festwochen um die Mithilfe aller glücklich oder unglücklich Verliebten. Gesucht werden Einzelbriefe oder langjährige Briefwechsel von 1890 bis heute, handschriftlich, per Schreibmaschine, Computer oder e-mail verfasst.“

Diese Schlagzeile ließ mich nachdenken über den Liebesbrief.
Gibt es der noch?

liebesbrief

Der mit voller Leidenschaft handgeschriebenem Liebesbekenntnis im 21.Jahrtausend?
Oder durch unsere schnelllebige Zeit gehört es dem Vergangenheit?
Wann überhaupt schreiben wir noch handgeschriebene Briefe? Egal welcher Art: an unsere FreundInnen,oder Familie?

Ich las in meiner Jugend sehr gerne Liebesromane, Onegin von Puschkin gehörte zu meinen Lieblingsromanen.
Ich erinnere mich immer noch an den berühmten Brief von Tatjana an ihm.
Eugen Onegin, ist ein Lebemann: leichtfertig, verantwortungslos, charmant, ein Draufgänger.
In ihn hat sich die zurückhaltende, unauffällige Tatjana verliebt. Sie gestand ihm ihre Liebe in einem Brief:

„Ich schreib an Sie – muss ich’s begründen?
Sagt dies nicht mehr als Worte tun?
Sie dürften, wenn Sie’s richtig finden,
Mich strafen mit Verachtung tun.
Doch wenn Sie etwas mitempfinden
Mit meinem Traurigen Geschick,
So stoßen Sie mich nicht zurück. …
Der Himmel will es: ich bin Dein;
Mein Leben war dafür verpfändet,
Dass Du mich triffst und löst es ein;
Ich weiß es: Gott hat Dich gesendet,
Mein Hüter bis ans Grab zu sein…
Du bist mit oft im Traum erschienen,
Ich liebt Dich, eh ich Dich gesehn,
Dein Zauberblick ließ mich vergehn,
Und Deine Stimme klang tief innen
Mir längst… das war kein Traum, viel mehr!
Kaum tratst Du ein, und ich erkannte,
Ich fühlte nichts mehr, ich entbrannte,
Und sprach im Geiste: das ist Er! …
Ich schließe! Schrecklich, was ich schrieb…
Ich sterbe fast vor Scham und Grauen…
Doch da mir Ihre Ehre blieb,
Will ich mich kühn ihr anvertrauen.“


er traf sich mit ihr und wies sie zurück:

„'Ich bin Ihrer nicht im Geringsten würdig. Glauben Sie mir - das Gewissen ist hierfür der Bürge: Die Ehe wäre für uns eine Qual. Sosehr ich sie auch liebte - sobald es zur Gewohnheit würde, wäre alles aus; [...]Ein junges Mädchen tauscht öfters seine Hirngespinste gegen andere aus...sie werden sich wieder verlieben; aber...lernen Sie, sich zu beherrschen; nicht jeder wird Sie, wie ich, verstehen' [...]
Durch Tränen hindurch, die ihr den Blick verschleierten, kaum atmend, ohne etwas zu entgegnen, hatte Tatjana ihm zugehört.“


Warum sind wir nicht mehr in der Lage unsere Gefühle artikulieren in wunderschönen Briefen wie damals üblich war?
Wann haben wir unseren letzten Liebesbrief geschrieben?
Ich meine echtes, handgeschriebenes..

Ich als Jugendliche, und habe es dann nie verschickt ,aus Angst zurückgewiesen zu werden.
Ich weiß nicht mal ob ich es bewahrt habe.
Später habe nur mündliche Bekenntnisse gehabt, und seit wir den modernen Weg der Kommunikation haben dann auf diesem Wege.
Aber es ist anders. Es fehlt da was.

Diese Appell Für das Kunstprojekt "5000 Liebesbriefe" wäre eine schöne Herausforderung an uns alle.
Wir sind hier als BloggerInnen schon geübte kleine „Literaten“.
Wie wär’s damit einmal mit einem Liebesbrief zu versuchen?

Trackback URL:
http://eclipse.twoday.net/stories/1408384/modTrackback

Trackbacks zu diesem Beitrag

jzuzlperzq - 16. Jul, 10:34

iaqackujy

cejhkrlgu muwydmsd jrukdpdbaww [weiter]
Booldog - 13. Jan, 18:30

Schrift ist Gift

Es gab einmal vor ein paar Jahren eine Situtation, in der mich ein guter Freund ermahnen mußte, mich endlich einmal mit jener Frau zu treffen, mit der ich jeden Tag - aus überbrückbarer Nahdistanz heraus - eine nicht enden wollende Korrespondenz führte. Einer der schönsten Sounds ist seit dieser Zeit für mich immer noch der "newmail"-Klang von Windows 2000. (Ich muß ihn mir wieder besorgen - unter XP fehlt mir etwas...)
Nun gut - die Geschichte hatte leider kein schönes Ende, und spätestens danach fand ich zur "allgemeinen Erwachsenen-Linie" zurück, nach der vorzeitige Geständnisse, insbesondere in Form von "Bekennerschreiben", auf jeden Fall zu unterlassen sind. (Zwar kennt man solche allgemeinen Regeln und hält sie auch für gut und richtig, aber mit schöner Regelmäßigkeit denkt man im Ernstfall doch: "Ach, das gilt für normale Frauen. Diese eine ist etwas Spezielles!", und schlägt jede Vorsicht in den Wind.)
Ich habe die alberne Theorie, daß man in früheren Lebensaltern weitgehend der Chronologie früherer Literaturepochen folgt, und irgendwann gibt es (Ontogenie = Phylogenie im Zeitraffer) eben die Zeit des Briefromans.
[Seit ungefähr zehn Jahren verfolge ich übrigens die Idee zu einem Mailodram, das den Briefroman von Dostojewskij, "Arme Leute", in der Jetztzeit fortsetzt. Aus dem armen Schreiber Dewuschkin ist ein "sozial verarmter" Systemadministrator geworden, der an den verwaisten Account einer Frau, die seine Institution verlassen hat, Mails schickt, in dem Wissen, daß sie sie nie zu Gesicht bekommen wird. Sie zeigen eine Entwicklung auf, an deren Ende "Dewuschkin 2" das Mailen einstellt und gewissermaßen die Rückrunde gewinnt. Aber ich schweife ab.]
Aber vielleicht gibt es ja doch so etwas wie eine technisch bedingte Renaissance des Mediums. Wer weiß.

eclipse - 14. Jan, 00:36

@Booldog

Es tut mir leid für dich, dass die Geschichte damals mit der Frau kein schönes Ende hatte.
Waren es richtige Liebesbriefe was ihr ausgetauscht hat? Ich meine E-mails.

Mir ging es auch darum in meinem Artikel, dass wir es verlernt haben echte Briefe zu schreiben.
Ich hatte noch vor Jahren mit meinem Vater ein sehr persöhnlicher Briefwechsel gehabt, ich ging immer selbst zu Post damit, weil er war ein leidenschaftlicher Briefmarken Sammler und ich wählte immer die schönsten Briefmarken für ihm aus.
Heute, nach seinem Tod bin ich froh seine Handgeschriebenen Briefe zu besitzen.
An hand dieser Beispiel muss ich dir widersprechen wenn du sagst:„Schrift ist Gift“.
Booldog - 14. Jan, 21:39

Nun, es waren zunächst sehr persönliche Mails, in denen es u.a. um unsere jeweilig schwierige Situation ging.
Und daß die Kunst des Brief- und Mailschreibens nicht verloren gehen sollte, darin stimme ich vollkommen mit Dir überein.
schoenswetter - 15. Jan, 18:31

Liebesbriefe

... sind ein sehr interessantes Thema. Ich bin ein leidenschaftlicher Liebesbriefschreiber, obwohl ich nie ein glückliches Ende gefunden habe. Mein Problem war meist, dass die Projektion, die der Brief verursachte / oder meine Phantasie nie der Realität entsprach bzw. nie soweit gedacht worden war, dass es die Realität überstehen konnte. Ich habe mir nun ebenso geschworen, nie mehr welche zu schreiben, weil immer wenn es letztendlich geklappt hat, waren nie geschriebene Zeilen dazwischen. Schade, ich war immer so stolz auf meine Worte ;-)...

eclipse - 18. Jan, 15:26

@schoenswetter

Nun, Charly ich gestehe, ich bin auch eine sehr leidenschaftliche (Liebes)Briefschreiberin.
Leider in der letzter Zeit beschränkt auf Mails, schon ewig lange keinen Handgeschriebenen Brief mehr verschickt.

Ich schwöre mir im Gegensatz zu dir nie.
Wenn die richtige Gefühle und Inspiration da sind, lasse mich immer wieder gerne in meinen geheimsten Gedanken untertauchen.
Auch wenn ich die Briefe (oder Mails) nicht verschicken sollte, es ist gut für eigene Selbstanalyse.
Frau kann dadurch ihre Gedanken, Gefühle besser ordnen.

Liebe Grüsse!

8.Mai
Andersrum
Autumn
Bildung
Blogs und Blogger
Boulevard-Presse
Comeback
Dies und Das
Diskriminierung
EU
Feiertage
Frau Mann
G8
Gesellschaft
Gesundheit
Job
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren